Tosca - Gespräch mit Michiel Dijkema

Wiederaufnahme in Leipzig am 01.10.2017
Der Vorhang hebt sich und die gesamte Bühne ist in ein Lichtermeer aus tausend brennenden Kerzen getaucht. Der Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema setzt Puccinis überbordender Musik spektakuläre Bühnenbilder entgegen, die den Zuschauer hineinziehen in die schillernden Verwicklungen von Liebe und Macht, Kirche und Staat in
Rom um 1800. Puccinis »Tosca« an der Oper Leipzig ist ein spannender Opernkrimi im Spielfilm-Format und ein wahres Sängerfest! Mit Michiel Dijkema sprachen wir anlässlich der Premiere in Leipzig.

Goethe-Medaille in Weimar verliehen

Die polnische Intendantin und Festivalleiterin Krystyna Meissner, der amerikanische Regisseur und Bildende Künstler Robert Wilson und der belgische Opernintendant Gerard Mortier (posthum) wurden mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet, das teilt das Goethe-Institut mit. Der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann verlieh den offiziellen Orden der Bundesrepublik am 28. August im Stadtschloss Weimar.
Mit der Auszeichnung würdigt das Goethe-Institut 2014 zum 60. Mal Personen, die sich um den internationalen Kulturaustausch verdient gemacht haben.

"Die drei Protagonisten des heutigen Tages haben mit ihrem künstlerischen Potential Grenzüberschreitung geradezu zum Programm gemacht und unsere Spiel- und Denkräume ungemein erweitert", mit diesen Worten eröffnete Klaus Dieter-Lehmann den Festakt im Weimarer Stadtschloss. Dem Goethe-Institut gehe es bei seiner Arbeit nicht darum "Theater made in Germany" in die Welt zu exportieren, sondern Begegnungen der Künstlerinnen und Künstler und gegenseitiges Kennenlernen zu ermöglichen. Mit ihrem Schaffen hätten die diesjährigen Preisträger der Goethe-Medaille dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet und "jeweils auf einzigartige Weise und mit neugierigem Geist Kulturaustausch auf höchstem Niveau betrieben", so Lehmann weiter.

Für ihr Wirken als besondere Mittlerin zwischen den europäischen Theaterszenen erhält Krystyna Meissner die Goethe-Medaille. Meissner wurde 1933 in Polen geboren, wo sie heute den Spitznamen "Iron Lady of Polish Theatre" trägt. Sie blickt auf eine langjährige Karriere zurück, während der sie Ensembles und Festivals leitete und als Regisseurin für Oper, Theater und Fernsehen tätig war. Als Initiatorin und Leiterin der internationalen Festivals "Kontakt" und "Dialog-Wroclaw" schuf Meissner Drehscheiben für Theaterschaffende und Produktionen aus ganz Europa. Viele deutsche Regisseure und Choreografen verdanken Meissner ihr erstes Gastspiel in Polen, darunter Thomas Ostermeier, Christoph Marthaler, Sasha Waltz, Jossi Wieler, Stefan Pucher und Peter Stein. Auch das Goethe-Institut blickt auf eine lange Zusammenarbeit mit der Intendantin zurück, die seit Meissners Zeit als Leiterin des Festivals "Kontakt" besteht. Bis heute ist Meissner als Regisseurin aktiv und wirkt bei verschiedenen deutsch-polnischen Projekten mit. In ihrer Laudatio brachte die Dramaturgin und Journalistin Renate Klett Meissners Bedeutung für die Bühnen in Europa in einem Satz auf den Punkt: "Die Ausländer bewundern das polnische Theater, die Polen das internationale, und beide zusammen Krystyna Meissner für ihren Mut und ihr Geschick."

"Mit Robert Wilson würdigen wir eine international angesehene Persönlichkeit, die uns mit ihren Arbeiten neue Lesarten deutscher Kultur ermöglicht hat", begründete die Auswahlkommission der Goethe-Medaille die Nominierung des amerikanischen Regisseurs. Robert Wilson wurde 1941 in Waco, Texas, geboren, studierte Betriebswirtschaft, Architektur und Bühnenbild und prägt seit den Sechzigerjahren die Bühnen der Welt mit seinen außergewöhnlichen Inszenierungen, die stets eine Kombination aus Tanz, Bewegung, Licht, Bildhauerei, Musik und Text sind. Schon früh hat Robert Wilson auch in Deutschland gearbeitet, viele seiner Werke wurden hier erstmals aufgeführt und gaben dem deutschen Theater wichtige Impulse. Wilson entdeckte Stücke deutscher Autoren, darunter Heiner Müller und Tankred Dorst, auf ganz eigene Weise neu und überführte Stücke und Stoffe von Büchner, Brecht und Strauss ins internationale, zeitgenössische Theater. Dadurch wurde Robert Wilson zu einem der Protagonisten des deutsch-amerikanischen Kulturaustauschs der letzten Jahrzehnte. Heute lebt Robert Wilson als künstlerischer Leiter des von ihm gegründeten Watermill Centers in New York. In seiner Laudatio auf Robert Wilson, zog Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele, den Vergleich zwischen Wilson und Goethe: "Beide haben über ihren Kulturkreis hinaus gewirkt und dessen Grenzen durchlässiger gemacht, waren Agenten des Austauschs, Übersetzer in der einen oder anderen Weise."

Gerard Mortier wird die Goethe-Medaille posthum verliehen. Das Goethe-Institut ehrt den im März verstorbenen Intendanten als einen der wichtigsten europäischen Kulturprotagonisten und mutigen Erneuerer des Musiktheaters. Immer wieder habe er auf zentralen Positionen auch die deutsche Opern- und Kulturszene geprägt, so Lehmann. Dazu gehörten Stationen des 1943 in Gent geborenen studierten Juristen und Kommunikationswissenschaftlers als Intendant und Künstlerischer Leiter der Salzburger Festspiele und der Ruhrtriennale. Stets war es ihm dabei ein Anliegen, vor allem auch ein junges Publikum für die Oper zu begeistern. Die Entscheidung, Gerard Mortier die Goethe-Medaille zu verleihen, fiel vor seinem Tod, die Nachricht darüber soll er noch mit großer Freude aufgenommen haben. Sein langjähriger Weggefährte Silvain Cambreling hat die Auszeichnung nun für ihn entgegengenommen. Cambreling ist derzeit der Generalmusikdirektor der Oper Stuttgart und Principal Conductor des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra Tokyo. In ihrer Laudatio auf Gerard Mortier charakterisierte Nike Wagner, die Leiterin des Beethovenfests Bonn, seine Arbeit als visionär, ihn selbst als Weltenbürger. "Die Furchtlosigkeit, mit der Mortier agierte, nur aus dem Impetus des Kunstmenschen heraus, des Künstlerintendanten, war so eindrucksvoll wie spektakulär", so Wagner.

Die Verleihung fand am 28. August um 11 Uhr im Stadtschloss Weimar statt in Anwesenheit von Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, dem Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Thüringen Christoph Matschie und dem Oberbürgermeister der Stadt Weimar Stefan Wolf.

Die Goethe-Medaille wurde 1954 vom Vorstand des Goethe-Instituts gestiftet und 1975 von der Bundesrepublik Deutschland als offizieller Orden anerkannt. Von 1992 bis 2008 wurde sie jährlich anlässlich des Todestags Goethes in Weimar verliehen. 2009 fand die Verleihung erstmals am 28. August, dem Geburtstag Goethes, statt.

Seit der ersten Verleihung 1955 sind insgesamt 335 Persönlichkeiten aus 62 Ländern geehrt worden. Zu den Preisträgern gehören unter anderen Adonis, Daniel Barenboim, Pierre Bourdieu, Sir Ernst Gombrich, Lars Gustafsson, György Ligeti, Ariane Mnouchkine, Sir Karl Raimund Popper, Billy Wilder oder Helen Wolff.

Die Verleihung wird in enger Partnerschaft mit der Klassik Stiftung Weimar und der Stadt Weimar veranstaltet.

Gespräch mit Franziska Potyralla aka Missilia über ihre Debüt-CD

radio-mensch: Dich begleiten mit Jörg Fleischer (Geige), Falko Rüdrich (Gitarre), Martin Paprota (Kontrabass), Ben Rouka (Percussion) und Erik Meisenberg (Saxophon) mehrere Gastmusiker. Welchen Einfluss hatten sie auf das Songwriting und die Arrangements der Lieder?
Missilia: Die Songs in ihrer ursprünglichen Form habe ich selbst geschrieben. Hier habe ich zumeist mit den
Texten begonnen und am Klavier arrangiert. Die auf der CD aufgenommenen Titel sind also meine Kompositionen zu denen die Musiker ihre eigenen Ideen beisteuerten. Vor der Aufnahme probten wir mehrere Varianten und einigten uns auf die Endfassung.
radio-mensch: Die Arrangements können also als "Kollektivarbeit" bezeichnet werden?
Missilia: Die Lieder stammen von mir, aber jeder Musiker leistete seinen Beitrag zur endgültigen Fassung der Songs.
radio-mensch: Die CD trägt den Titel " Metanorpos", ein Begriff, den man in keinem Lexikon findet. Was verbirgt sich hinter diesem Titel?
Missilia: Den Begriff "Metanorpos" habe ich zum ersten Mal in der Wohnung meiner Mutter mit Wollfäden an die Wand geschrieben gesehen. Beim ersten Hinsehen fand ich das Wort sehr interessant und habe es sofort mit der mir bekannten "Metamorphose" verbunden. Danach habe ich überlegt, was "Metanorpos" für mich bedeuten könnte. Im Gegensatz zur Metamorphose finden hier viele kleine Veränderungen in einem größerem zeitlichen Rahmen statt. Dieser Phantasieausdruck ist passend für meine Lebensphilosophie und meine Musik. Deshalb erschien es mir angebracht, mein erstes Album so zu benennen, zumal manche Stücke schon ungefähr acht Jahre alt sind.
radio-mensch: Du spielst also darauf an, dass sich bei der Metamorphose ab einem gewissen Zeitpunkt eine gravierende Veränderung vollzieht, während sich beim Metanorpos die vielen kleinen Veränderungen unmerklicher vollziehen.
Missilia: Sie hören auch nie auf.
radio-mensch: Haben dieser "Metanorpos"- Momente Bezüge zu Deiner Entwicklung als Mensch und Musikerin? Aus Deinen Antworten könnte man darauf schließen. Beispielweise hast Du auf älteres Songmaterial verwiesen, das bis zu seiner Veröffentlichung noch eine gewisse Zeit der Reife benötigte. Gibt es dafür konkrete Beispiele?
Missilia: Der Song "I Feel Good" hat ursprünglich eine rein elektronische Vergangenheit. Ein DJ stellte mir die Urfassung zur Verfügung, um darauf zu singen und eventuell das Lied weiter zu bearbeiten. So entstand der Text und ich versuchte, diesen mit einer Klavierbegleitung zu realisieren. Auch mit Gitarrenbegleitung versuchte ich "I Feel Good" zu spielen, insgesamt hat das Lied schon einige Metanorposen durchgemacht. Auf dem Album spiele ich es begleitet mit einem Saxophon, während ich bei meinen aktuellen Live-Auftritten dabei von einer Geige begleitet werde. So wird deutlich, dass meine Lieder sich in einer ständigen Entwicklung befinden.
radio-mensch: Beim Anhören der CD fällt auf, dass Deine Stimme und das Piano die Songs dominieren. Durch die Arrangements und die Einbeziehung anderer Klangfarben erhalten Deine Lieder mehr Tiefe und Reife. Ist "Metanorpos" die Blaupause für Deine zukünftige stilistische Ausrichtung?
Missilia: Ich habe das Gefühl, dass die in diesem Jahr von mir komponierten Songs sich vom auf der CD veröffentlichten Material unterscheiden. Hier stelle ich in meiner Arbeit auch gewisse Entwicklungen fest, zu denen meine musikalischen Begleiter einen nicht unwesentlichen Beitrag leisten. Ich würde mich bei meinem Album nicht auf eine Blaupause festlegen lassen, in manchen Bereichen kann ich das aber nicht generell ausschließen.
radio-mensch: Hast Du für Deine Musik eine spezielle Zielgruppe, und wenn ja, welche?
Missilia: Ich habe über diese Frage auch schon nachgedacht und möchte mich bei dieser Thematik nicht auf gewisse Altersgruppen festlegen. Es ist für mich wichtig, mit meiner Musik Menschen zu erreichen, die sich nicht auf gewisse stilistische Richtungen fixiert haben, sondern auch offen für eine musikalische Vielfalt und anspruchsvolle Texte sind. Bei Konzerten habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass Leute aller Altersstufen positiv auf meine Musik reagierten, selbst Kinder haben sich tanzend dazu bewegt. Ich sehe meine Musik auch als verbindendes Element zwischen Menschen verschiedener Generationen und unterschiedlicher Geschmacksrichtungen.
radio-mensch: Das Genre Singing/Songwriting erlebt seit einigen Jahren eine auch quantitativ beachtliche Renaissance. Es gibt Stimmen, die das auf das relativ überschaubare Equipment und die gegenwärtig nicht gerade üppig fließenden Geldströme zurück führen. Würdest Du dem beipflichten oder sind für Dich dafür auch andere Gründe relevant?
Missilia: Der finanzielle Aspekt ist nicht von der Hand zu weisen, dazu kommen aber noch andere Gründe. Zum einen ist es für junge Musiker, die am Beginn ihrer Laufbahn stehen, wichtig, sich mit ihrem Instrument, ihrem musikalischen Material intensiv zu beschäftigen. Dadurch machen sie auch die Erfahrungen, die ihnen ermöglichen, einen eigenen Stil zu finden. Ich habe auch erfahren, dass manche Musiker Probleme damit haben, sich in eine Band zu integrieren. Hier hilft es manchen, sich auf sich selbst zu konzentrieren, um aus einem Selbstfindungsprozess gestärkt hervorzugehen. Auch im Publikum ist eine gestiegene Nachfrage nach Musik festzustellen, die zum Hinhören und Entspannen einlädt.
radio-mensch: Frauen spielen in der gegenwärtigen zeitgenössischen Musikszene eine immer wichtigere Rolle, was m.E. auch auf ihre gestiegene Experimentierfreudigkeit und Kreativität zurückzuführen ist. Würdest Du dem zustimmen?
Missilia: In meinem Umfeld treffe ich immer mehr Frauen, die selbst Musik machen wollen, ich glaube, viele Frauen haben einfach keinen Bock mehr, immer nur den Kerlen zuzuhören. Auch bei offenen Bühnen und Jam Sessions sind immer mehr Frauen anzutreffen, die ihre inneren Gefühle mit ihrer Musik zum Ausdruck bringen wollen. Die Männer sind zwar noch in der Mehrheit bei diesen Veranstaltungen, aber je mehr Frauen dort mitspielen, desto sicherer werden sie sich ihrer Mittel. Wichtig ist auch, dass sich die Zahl weiblicher musikalischer Vorbilder in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht hat und damit zu einer gewissen Sicherheit beiträgt und den Musikerinnen Mut macht. In meiner Band wirkt es sich für die Zusammenarbeit sehr positiv aus, dass noch drei andere Frauen mitspielen. Dadurch entfällt das sich ständige Vergleichen müssen in einem gewissen Grade und macht die Zusammenarbeit angenehmer. In Bands, in denen ich die einzige Frau war, herrschte zumeist ein gewisses Konkurrenzdenken vor, was die Arbeit oft als nicht sehr angenehm gestaltete und die Atmosphäre unausgeglichen machte. Als weiterer Aspekt ist mir aufgefallen, dass Frauen in Bezug auf Konstanz und Organisation ihrer Aktivitäten stärker sind. Außerdem kommen wir seit 2012 immer intensiver in das weibliche Zeitalter, was fast alle alten Kulturen aussagen.
radio-mensch: Deine CD erscheint beim Label Timezone Records. Möchtest Du einige Worte zu den Produktionsbedingungen und zur Zusammenarbeit mit Deinen Partnern sagen?
Missilia: Ich möchte mich auf diesem Wege noch einmal herzlich bei allen Mitwirkenden bei der Produktion für die gute Zusammenarbeit bedanken.
Das Gespräch führte Dieter Lange.
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