Klammer, Jürgen

Beim Barte des Proleten erzählt Geschichten aus dem Kabarett in den Zeiten von Walter Ulbricht, Erich Honecker und Helmut Kohl. Der Autor Jürgen Klammer, im Inneren seit seiner Jugend vom Kabarett begeistert, befasste sich in den vergangenen zehn Jahren eingehend mit der Geschichte des Berliner Kabarett-Theaters Distel. Er recherchierte in
den Archiven und sprach mit nahezu allen der noch lebenden Schauspieler aus den ersten Jahrzehnten des Kabaretts. Nicht jedoch die statistische Geschichte der Distel, also die Anzahl der Programme, die Vielzahl der beteiligten Regisseure, Schauspieler, Autoren, die Premierentermine usw. stellte er in den Mittelpunkt dieses Buches. Der Chronist, in den siebziger Jahren selbst für einige Zeit Autor dieses Kabaretts, entdeckte bei seinen Recherchen interessante Hintergrundgeschichten.

Viele mit der Distel in den vergangenen Jahren verbundenen Personen schälten sich aus nüchternen Dokumenten als überaus interessante Persönlichkeiten heraus. Ihre Motive, Träume, Irrtümer und Widersprüche konnten freigelegt werden. Sie geben einen tiefen Einblick in das Geschehen auf, hinter und neben der ältesten Kabarettbühne der DDR. Die Distel als ein Verdienst von für das Kabarett brennenden Künstlern darzustellen, ihre Gedanken zur jeweiligen politischen Situation nachzuvollziehen, dabei gleichzeitig einen Einblick in das höchst interessante Auf und Ab der grauen wie bunten Kulturpolitik der untergegangenen DDR, des gescheiterten Versuchs eines sozialistischen Deutschlands zu geben - das ist das Anliegen des vorliegenden Buches.

Distel - Beim Barte des Proleten erschienen im selbstironieverlag

Geck, Martin "Robert Schumann" - Mensch und Musiker der Romantik

Leidenschaftlich und kühn - der bedeutendste Komponist der Romantik - Er war ein leidenschaftlicher Tonpoet und kühner musikalischer Vordenker, der in seinem Schaffen Sinnlichkeit und Intellektualität, Realismus undTraumverlorenheit genial zu vereinen wusste: Robert Schumann (1810-1856), vor über zweihundert Jahren geboren, ist bis heute in allen Konzertprogrammen der Welt präsent. Martin
Geck ist Professor für Musikwissenschaft an der Universität Dortmund. Seine Bücher zur Musikgeschichte und seine Biographien großer Komponisten (u.a. über Mozart, Beethoven und Wagner) wurden von der Kritik hoch gelobt und in ein Dutzend Sprachen übersetzt. Für sein Buch über Johann Sebastian Bach wurde er mit dem Gleim-Literaturpreis ausgezeichnet.

Robert Schumann. Mensch und Musiker der Romantik Originalverlag: Siedler erschienen im Verlag Pantheon

Bettinger, Martin "Ein Galgen für meinen Vater"

Zahlreiche Berge haben sie zusammen bestiegen, nun muss der Sohn den Vater auf seiner letzten Reise begleiten, dem Weg hinaus aus der Welt. So unternehmungslustig und froh der Vater durchs Leben ging, so schwer fällt es ihm, Abschied zu nehmen. Als der Tod immer engere Kreise zieht, bündelt er alle
verbliebene Kraft, um ihm zu entkommen. Der Sohn soll bei der letzten Flucht helfen. "Eine Zumutung" nennt Martin Bettinger seine Geschichte und erzählt von der alten Unerhörtheit: Dass man sterben muss und es nicht will, dass man leben will und es nicht kann, dass man den Vater lieben und ihm doch irgendwann den Tod wünschen kann.

Ein Buch von berührender Tiefe und überraschender Komik. So originell das Leben des Vaters verlief, so einfallsreich stellt er sich dem Tod gegenüber. Eine Hymne an das Leben - vor der Aussicht, es zu verlieren.

Ein Galgen für meinen Vater erschienen im Conte Verlag

Marohn, Norbert "Schöne Nacht noch"

Kindheit war, wo ich gehorchte. Im Äußern bleiben. Ohne zu wissen, wie Jungen sich aufeinander einlassen. Ich wusste nicht einmal, dass ich mich sehnte nach Jungen. Seit kurzem wohnt Erdmann in München und bedient in der Kneipe SEGENSREICH, wo er zwischen Jungen und Stammgästen zu vermitteln lernt. Jacqueline steht hinter
einer Rezeption, im Hotel, wo sie sich vor allem nach Ruhe sehnt. Der Einzige, der sich in beiden Etablissements sehen lässt, bleibt Herr Kirschbaum. Er will Jacqueline heiraten - oder? Zwei Jungmünchner tauchen auf - doch es ist Benny, der alle(s) durcheinanderbringt. München ist eine Stadt, die gern von hinten kommt.

München ist Hintergrund dieser Geschichte, die sich, aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, immer widersprüchlicher darstellt: Seit kurzem wohnt Erdmann (Mitte-Ende vierzig) in München. Er bedient in einer Kneipe, wo er gerade zwischen Stammgästen und "Zuagroasten", zwischen "Freiern" und "Strichern" zu vermitteln lernt. Er lebt im Kleinkrieg mit dem Kneipeninhaber und verliebt sich in einen polnischen Jungen. Parallel dazu lernt zwei Jungmünchner kennen, die er ins Stricherleben einführt und die dann eigene Wege gehen, was ihm zunehmend Sorge bereitet. Einer der Jungen, Benny, verschwindet und wird von Kneipengästen gesucht, ebenso von seiner Mutter, bis schließlich die Kripo zu ermitteln beginnt. Dialoge, die sich vordergründig um die Suche nach dem Verschwundenen drehen, stellen untergründig die eigene Lebensweise in Frage. Erinnerungen, die sich als Kneipenbesucher einstellen, bis in der Rückschau auf eine Straferziehung durch den Vater, die Musik der Rolling Stones und eine Beziehung im Armeemilieu, ziehen sich immer mehr in ein Knäuel zusammen. Ist es Benny, der plötzlich alles und alle durcheinanderbringt? Seit fünf Jahren steht Jacqueline (Mitte-Ende zwanzig) hinter einer Rezeption, wo sie vor allem Ruhe wünscht, obwohl das Hotel gerade auf "First class" getrimmt wird. Zumindest steht ihr Hochzeitstermin fest: in vier Tagen. In froher Erwartung aber gerät Jacqueline von einer Überraschung in die nächste. Sie will, doch will Herr Kirschbaum noch heiraten? Ihr Bräutigam hält sich plötzlich von ihr fern und ist in etwas verwickelt, das er nur zögernd offenbart: Er ist überfallen worden und offenbar hat ein Junge etwas damit zu tun hat, aber was? Für Jacqueline deutet sich lückenhaft eine Vorgeschichte ihres Bräutigams an. Um dahinterzukommen, macht sie sich schließlich dahin auf, wo sie die Lösung vermutet: in einer Schwulenkneipe.

Schöne Nacht noch erschienen im Lychatz Verlag
ISBN 978-3-942929-19-6

Marohn, Norbert "Wie nie zuvor"

1989 schieben sich die Zeiten ineinander - vorübergehend. Vom Winter, in dem noch keiner an das Ende des Sozialismus dachte, bis zum beginnenden Zusammenbruch im Oktober-November: WIE NIE ZUVOR beschränkt sich nicht auf den Demonstrationsherbst in Leipzig. Erzählt wird vom ganzen Jahr 1989, vom "ganz normalen" Leben: Es reicht vom
volkseigenen Betrieb bis zum Alltag der "Parteiarbeit", bis hin zur Liebe unter Männern. Wie schlagen "unsere Menschen" sich durch, nicht zuletzt Jugendliche und "Asoziale"? Abgeschottetes Denken bricht auf, abgezirkelte Lebenskreise nähern sich an - die Zeit ist auf der Straße. Ein Jahrhundert marschiert. Ich bin viele, gelegentlich alle, so der Autor Norbert Marohn.

Wie nie zuvor erschienen 2013 im Lychatz Verlag
ISBN 978-3-942929-25-7
Partner
Socials