Yes im Haus Auensee Leipzig

Über den Sinn und Unsinn der in letzter Zeit verstärkt praktizierten Mode, Alben aus dem Back-Katalog komplett auf die Bühne zu bringen, wird gegenwärtig viel diskutiert. Yes, Vorreiter des Progrock und eine der Repräsentanten gewaltiger Materialschlachten besonders in den 1970ern beanspruchen auch innerhalb ihrer aktuellen Welttournee eine gewisse Sonderstellung. Nicht ein, nicht zwei, sondern sogar drei frühe Alben sollen komplett und in identischer Trackliste auf der Bühne aufgeführt werden. Die chronologische Reihenfolge der Platten wird allerdings nicht eingehalten, den Beginn setzt "Close To The Edge", gefolgt von "Going For The One" und schließlich "The Yes Album".
So weit so gut. Nach
etwa zwanzigminütiger Wartezeit entern die derzeitig aktuellen Mitglieder von Yes zu den Konservenklängen von Strawinskys "Feuervogel-Suite" die Bühne. Das sind die Herren Chris Squire (Bass, Vocal), Steve Howe (Guitar, Vocal), Chris White (Drums), Geoffrey Downes (Keyboards) und schließlich der nach Jon Andersons wohl endgültigem Ausstieg neue Sänger Jon Davison von der US-Band Glass Hammer.
Und wie geplant starten Yes mit dem Titeltrack von "Close To The Edge", die Aufführung orientiert sich stark am Studio-Original. Natürlich verfolgen die Fans mit besonderer Aufmerksamkeit, inwieweit sich die Stimme von Jon Davison der von Jon Anderson annähert. Wenn da nicht ab und an bei genauerem Hinhören merkwürdige, sekundenlange Aussetzer vernehmbar wären, könnte das Fazit durchaus positiv ausfallen. Ein Fehler an der Technik ist ja nicht auszuschließen. Danach kommt der nächste irretierende Moment. Pausen sind zu einem solchen Zeitpunkt bei einem Konzert nicht die Regel, trotzdem ist plötzlich die Bühne leer. Einem etwas unübersichtlichen Statement der Band, aus dem hervorgeht, dass die Stimme von Jon Davison ihren Dienst quittiert hat, folgt stilgerecht der instrumentale Abgesang von "Starfish Trooper", das auch das Finale von "Yessongs" bildete.
Den endgültigen Schlusspunkt bildet dann die Ansage von Heinz-Rudolf Kunze, der das Stimmversagen bestätigt und vage einen Ersatztermin verspricht.
Nachtrag:
Vom Veranstalter erhielten wir folgende Mitteilung: "Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass es kein Nachholkonzert geben wird. Trotz intensiver Bemühungen aller Beteiligten kann für das wegen Stimmproblemen von Sänger Jon Davison abgebrochene Yes-Konzert am 28. Mai kein zeitnaher Nachholtermin gefunden werden. Band und Veranstalter bedauern dies sehr!
Text und Fotos Dieter Lange für radio-mensch
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