radio-mensch startet die Aktion

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Stellen wir uns gemeinsam vor, wir hielten uns a l l e daran, und danke denjenigen, die das schon tun, Abstand zu halten und Rücksicht zu nehmen, die Zeit daheim zu genießen, lesen, spielen, telefonieren oder machen Sport und und und.

Vielleicht lernen wir auch die Sprache, die wir schon immer mal lernen wollten, aber nie Zeit dazu hatten. Wir können uns auch ohne schlechtes Gewissen mal so richtig langweilen, geben uns Zeit zum Nachdenken, aus dem Fenster schauen... Wir reden doch so viel über Entschleunigung. Warum werden wir jetzt noch hektischer als sonst. Versuchen wir es mit Gelassenheit. Wenn wir
so handeln, haben wir vielleicht die Möglichkeit, dass in 3 bis 4 Wochen die Welt für alle schon wieder hoffnungsvoller aussieht.

Und wem die Decke trotzdem auf dem Kopf fällt

Es gibt überall Hilfsangebote, und wer kreativ sein möchte, kann sich auch gern bei uns melden. Schreibt uns Geschichten, Begebenheiten, Eure Gedanken und Buchempfehlungen und sendet sie an unsere im Impressum genannte E-Mail Adresse.

Ein paar persönliche Lesetipps - Bücher, die vielleicht schon lange ungelesen im Regal stehen:

Hermann Hesse "Narziß und Goldmund"
- Hermann Hesse verwendet ein beruhigende, treffende und gefühlvolle deutsche Sprache
- ein Buch voller Erzählkraft

Bertolt Brecht "Die Dreigroscheoper"
- immer noch aktuell
- kann man in der Familie auch mit verteilten Rollen lesen

Johann Wolfgang Goethe "Faust Teil 1"
- keine Angst vor Klassikern!
- mal tief nachdenken, in sich reinhören und schlussfolgern
- liest sich auch gut mit verteilten Rollen.

Märchenbücher
- es gibt nicht nur die der Gebrüder Grimm
- vielleicht stehen noch die alten russischen Märchen im Regal

Roger Willemsen "Die Enden der Welt" "Momentum"
- oder einfach gesagt. alle von ihm
- Roger Willemsen ein großartiger Erzähler ohne Pathos zwischen Tragik und Komik
- oft live gehört und genossen

Antoine de Saint-Exupéry "Der kleine Prinz"
- für jung und alt

Hildegard Maria Rauchfüß "Fische auf den Zweige", "Schlußstrich" - eine Leipziger Schriftstellerin, die nicht in Vergessenheit geraten darf

Norbert Marohn "Sah Tiere"
- das erste Satirewerk des Schriftstellers, aber wieder typisch Marohn

Heinrich Heine "Ein Wintermärchen"
- ein Klassiker damals und heute aktuell
- über Jahre vom großartigen Schauspieler Eberhard Esche vorgetragen und von mir gehört
- kann mich noch gut an die Lachsalven im Deutschen Theater Berlin und im Görlitzer Stadttheater erinnern, ab und zu muss man zwischen den Zeilen lesen und hören

Wer Textpassagen oder Geschichten aus Büchern mit verteilten Rollen oder allein vorgelesen oder Gedichte als Lesung vorstellen möchte, kann uns gern unter dem Titel Aktion "Laut lesen", und bitte lesen Sie mit Ihren Kindern, an unsere im Impressum genannte E-Mail Adresse schreiben.

marie scharon

Wie nie zuvor von Norbert Marohn

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Norbert Marohn zeigt mit seinem neuen Roman das Jahr 1989 aus einem anderen Blickwinkel. Die Protagonisten sind Männer, die Männer lieben, lieben wollen, die sich Beziehungen wünschen, scheitern, es geht um Sex, um Angst vor der Entdeckung und vor der eigenen Courage, es geht um das Thema, das große Literatur beherrscht: Liebe und die Suche nach Antworten auf existenzielle Fragen. Das Jahr 1989 ist nicht zwingend, nicht vorrangig. Marohn gelingt es mit "Wie nie zuvor" einen Roman zu schreiben, der die politischen Verhältnisse und Zuspitzungen bis in den Herbst nicht vernachlässigt, sie aber ohne Pathos als Handlungshintergrund und unterstützend für
den persönlichen Auf- und Umbruch nutzt. Er macht keine moralischen Angebote, er belästigt den Leser nicht mit subjektiven Beurteilungen, sondern schildert den normalen Alltag mit seinen Höhen und Tiefen.

Unaufgeregt lässt er seine Figuren auftreten und gibt dem Leser Raum für eigene fortführende Gedanken. Auf die Hauptfigur verzichtet Norbert Marohn. Jeder kann die eigene finden. Die Handlungsplätze sind bewusst gewählt und sozial konträr. Da gibt den typischen Montagebetrieb mit dem Monteur und ehemaligen Lehrer Harms/Buller, der in der neuen Umgebung voller scheinbarer Ungebundenheit und Freiheit versucht, seine Vorstellungen vom Leben und Partnerschaft zu erfüllen. Und Till, ein Laborant und aus dem Armeedienst zurück, will nun endlich während der verbleibenden Urlaubstage seine Homosexualität ausleben. In der Beschreibung seiner Einsamkeit, seiner Verzweiflung über sein Dilemma bemerkt man trotz heftiger Sprachbilder das Verständnis Marohns für diese tragische Figur, die zu sagen scheint: "Nicht jeder äußere Aufbruch führt auch zu einem inneren.". Fast lyrisch im Sinne der Subjektivität und des lyrischen Subjekts erscheint der Roman an dieser Stelle.

Und da sind noch Edmund Grodek, Journalist der Bezirkszeitung, der die nicht wieder gutmachbare Versäumnisse, verpassten Auseinandersetzungen symbolisiert und Rumen, Abteilungsleiter der Stadtbezirksleitung, der innerlich abgeschlossen, schon längst seine Prioritäten gesetzt hat. Und da gibt es noch viele auf den 500 Seiten, die stellvertretend ein Stück Zeitgeschichte erleben.

Marohn gelingt es, die einzelnen Charaktere mit Prägnanz so zu beschreiben, dass der Eintritt in ihr Leben, ihre Seele und über sie in das Zeitgeschehen gelingt. Wahrhaftig lässt er seine Figuren agieren, schildert mit schonungsloser Offenheit - manchmal bis bis an die Grenzen gehend - Tristesse, Gewalt, Verzweiflung, Frustration und menschliche Sehnsüchte. Ein Roman, der in seiner Komplexität den Leser fordert. Norbert Marohn ist seiner Absicht treu geblieben.
marie scharon

Hilfe annehmen oder anbieten

Stiftung "Ecken wecken" Leipzig hilft u.a. bei Einkäufen unter
https://stiftung-ecken-wecken.de/corona-support
Telefon 0341 2419274
Montag bis Freitag von 09.00 bis 17.00 Uhr

Hilfsorganisationen in Sachsen bündeln sich unter
Team Sachsen

Deutsche Depressionshilfe
www.deutsche-depressionshilfe.de/corona

Telefonseelsorge 0800 1110 111 oder 0800 1110 222
Die Telefonseelsorge ist jeden Tag rund um die Uhr in Deutschland kostenlos zu erreichen. Weitere Informationen unter www.telefonseelsorge.de

Leipziger Seniorenbüros bieten Kontaktmöglichkeiten für ältere Menschen Wegen der Gefährdung durch das Coronavirus sind gerade ältere Menschen angehalten sich zu schützen und Risiken zu meiden. Die Reduzierung sozialer Kontakte kann zu Einsamkeit führen und ist besonders für Alleinlebende schwer. Die Seniorenbüros und Begegnungsstätten bieten
weiterhin Kontakt per Telefon oder E-Mail an. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sind als Ansprechpartner da und stehen für Gespräche und Informationen zur Verfügung.

Seniorenbüro Mitte Caritasverband Leipzig e. V.
Telefon 0341 14969653

Seniorenbüro Nord GeyserHaus e. V.
Telefon 0341 12579210

Seniorenbüro Nordwest Volkssolidarität Stadtverband Leipzig e. V.
Telefon 0341 90290497

Seniorenbüro West Arbeiterwohlfahrt KVB Leipzig-Stadt e. V.
Telefon 0341 94683439

Seniorenbüro Alt-West Volkssolidarität Stadtverband Leipzig e. V.
Telefon 0341 49541102

Seniorenbüro Südwest Ökumenische Sozialstation Leipzig e. V.
Telefon 0341 42997251

Seniorenbüro Süd Volkssolidarität Stadtverband Leipzig e. V.
Telefon 0341 3913971

Seniorenbüro Südost Arbeiter-Samariter-Bund, Regionalverband Leipzig e. V.
Telefon 0341 869769123

Seniorenbüro Ost Mühlstraße e. V.
Telefon 0341 26371168

Seniorenbüro Nordost
Volkssolidarität Stadtverband Leipzig e. V.
Telefon 0341 6976761

Zahl der Coronavirus Infizierten in Leipzig steigt - Kommentar oder Menschenskind, was soll noch passieren?

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Bevor wir in der kommenden Zeit wieder Beiträge Bücherempfehlungen, Lesungen und Rezensionen hochladen werden, möchten wir in eigener und eben nicht in eigener Sache, besorgte Mails und Anrufe bestätigen unser Anliegen, an die Vernunft derjenigen appellieren, die sich rücksichtslos und ignorant verhalten, die in den Parks noch unbedingt Partys feiern müssen, anderen ins Gesicht husten und keinen Abstand halten. DENKT mal darüber nach, ob ihr mit Freude und gutem Gewissen weiter leben könnt, sollten Eure Eltern oder Großeltern erkranken oder sterben. NICHT ZU VERGESSEN IST, AUCH BEI JUNGEN MENSCHEN weiß man nicht, mit welchen Spätfolgen zu rechnen ist. Also Abstand
halten und sich auf den Sommer mit der Familie und mit Freunden freuen. Inzwischen kann man gern mit denjenigen, die allein sind, telefonieren. Bücher vorlesen oder zusammen singen kann auch per Telefon oder Skype Freude bringen. Jeder, der Freunde und Familie in der Ferne hat weiß, dass es funktioniert.

Euro-scene: Martin Schick, Bern: "Nicht mein Stück" Postkapitalismus für Anfänger / Performance

Die Kulisse auf der Bühne im LOFFT verursachte schon ein leichtes Grinsen beim Betreten des Zuschauerraums: eine Mischung aus Balkon, Dachboden und Keller, wo alles Mögliche steht, was sich mal angesammelt hat und so direkt nicht mehr gebraucht wird, aber durchaus noch seinen Zweck erfüllen könnte: ein Campingstuhl, ein alter Reifen, Bücher, Pflanzen, jede Menge Kisten, ein Federballspiel, ein altes Fahrrad u.s.w.. So sieht die Insel aus, die sich der Schweizer Choreograf und Darsteller Martin Schick gekauft hat, um Vorsorge zu treffen, wenn das kapitalistische System über Nacht zusammenbricht. Mit seinem Partner Dusan Muric
will er leben und überleben ohne Konsumterror,
Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenzahlen. Das schaffen sie nicht lange allein und holen sich Hilfe aus dem Publikum auf die Bühne.

Viele Probleme werden zur Sprache gebracht: Energieverbrauch und Nutzung natürlicher Ressourcen, Vorherrschaft des Geldes und deren Folgen, Herstellung von Produkten, die unter den Begriffen Bio und Nachhaltigkeit zu finden sind. Es hat den Abend einzigartig gemacht, dass die Tücken des kapitalistischen Systems nicht mit pädagogisch erhobenem Zeigefinger vorgeführt, sondern spielerisch und humorvoll Denkanstöße gegeben wurden, mit dem Umdenken anzufangen.

Anders als gedacht, haben sich Martin Schick und sein Partner am Ende auch nicht verbeugt und vom Publikum mit verdientem Applaus feiern lassen, sie haben ihre postkapitalistische Insel den Zuschauern zum Betreten überlassen.
Angela Trautmann für radio-mensch
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